Stadt Apolda

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Festwoche 300 Jahre Glockenguss Apolda

Mit einer Festwoche vom 4. bis 9. Juli 2022 würdigt die Stadt Apolda in diesem Jahr die Bedeutung des hiesigen über Jahrhunderte hinweg ausgeübten Glockengießerhandwerks. Dabei sind zahlreiche Veranstaltungen „rund um die Glocke“ geplant, u.a. musikalischer Art: mit Konzerten eines Glockenspielers auf einem fahrbaren Carillon, des Handglockenchores Gotha sowie der Gruppe POND, die stets mit einer Glocke die Bühne betritt, welche in Apolda gegossen wurde.

Erwartet wird außerdem die Ankunft einer Friedensglocke, die 2025 ihren Platz in Jerusalem finden soll. Eines der Highlights der Festwoche wird ein öffentlicher Schauguss auf dem Melanchthonplatz vor der Lutherkirche, welcher an den ersten Glockenguss vor 300 Jahren erinnern soll. Natürlich wird die Festwoche auch durch eine Ausstellung begleitet, welche sich vor allem dem Herstellungsprozess der Glocken widmet - passenderweise ist diese im Industriedenkmal „Alte Glockengießerei“, der ehemaligen Gießerei „Franz Schilling Söhne“ zu besichtigen.

Den Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt der Festwoche bildet das 6. Apoldaer Weltglockengeläut. Glocken aus Apolda wurden in „aller Herren Länder“ geliefert. In der Veranstaltung werden „Glockenpartner“ von entfernten Orten zugeschaltet. Musiker lassen im Zusammenspiel mit diesen Glocken und anderen Instrumenten neue Kompositionen erklingen. Das Weltglockengeläut kann im Livestream verfolgt werden.

Zur Geschichte des Glockengusses in Apolda

1722 wurde der Glockengießer Johann Christoph Rose aus Volkstedt mit dem Guss zweier Glocken für eine geplante neue Stadtkirche in Apolda beauftragt. Der Glockengießer wurde in der Stadt ansässig und errichtete hier eine Gießhütte. Er konnte nicht ahnen, dass Apolda zum unumstrittenen Zentrum des Glockengusses in Deutschland werden würde.

Die „Lutherkirche“ wurde 1894 erbaut. Ihr heutiges Geläute erinnert mit jeweils einer „Rose“-, einer „Ulrich“- und einer „Schilling-Glocke“ an alle drei berühmten Apoldaer Glockengießer-Dynastien. Im Zeitraum von 300 Jahren wurden etwa 20.000 Bronze- sowie ebenso viele Eisenhartgussglocken gegossen. Neben den vielen Kirchenglocken sind die Apoldaer Glockengießer auch durch die umfangreichen und klanglich hochwertigen Glockenspiele, die sie gegossen haben, berühmt geworden. Auch der "Dicke Pitter", die Glocke 1 des Kölner Domgeläuts wurde 1923 vom Glockengießermeister Heinrich Ulrich in Apolda gegossen.

„Bemerkenswert ist … vor allem das starke Übergewicht, das Apolda auf dem Glockenmarkt Deutschlands besitzt. Zwei der größten Gießereien befinden sich hier und etwa 1/3 aller Glocken, die vor dem Kriege jedes Jahr in Deutschland hergestellt wurden, stammten aus Apolda. Dabei ließ die Firma Franz Schilling Söhne mit einer Jahresproduktion von etwa 200 t Bronze alle anderen Gießereien weit hinter sich …Nach dem Kriege hat sich das Verhältnis insofern etwas verschoben, als die Gießerei Gebr. Ulrich … an Bedeutung stark zunimmt. Zwischen beiden Firmen, die jetzt wohl unbestrittenermaßen als die größten Gießereien Deutschlands anzusehen sind, findet ein erbitterter Konkurrenzkampf statt …“.

(aus einer Dissertation zum Glockengießergewerbe aus dem Jahr 1924).

Die Festwoche 300 Jahre Glockenguss in Apolda findet vom 4. bis 9. Juli 2022 statt.